Nachgerüstete Möbelbeleuchtung erkennt man fast immer auf den ersten Blick. Der Streifen klebt sichtbar unter dem Regalboden, das Kabel baumelt seitlich herunter, und im Glas der Vitrine spiegeln sich sechzig kleine Lichtpunkte. Gedacht war das anders. Auf den Bildern, die als Vorbild dienten, war vom Leuchtmittel nichts zu sehen, nur ein gleichmäßiger Lichtsaum an der Kante. Dieser Unterschied entscheidet darüber, ob ein beleuchtetes Möbelstück wertig wirkt oder nach Bastelprojekt aussieht.
Er liegt dabei selten an den LEDs selbst, sondern an dem, was um sie herum verbaut ist. LED Aluprofile erfüllen gleich zwei Aufgaben auf einmal. Sie führen die Wärme der Dioden ins Metall ab, was die Lebensdauer der Chips deutlich verlängert. Auf Holz oder in einer engen Nut staut sich die Wärme sonst direkt am Streifen, und genau daran sterben die meisten Billiginstallationen nach zwei, drei Jahren. Außerdem tragen die Profile eine Abdeckung, die aus einzelnen Leuchtpunkten eine ruhige, durchgehende Linie macht. Dazu kommt die Optik: Eine gerade Aluminiumschiene sieht nach Absicht aus, ein von Hand verlegter Klebestreifen fast immer nach Provisorium.
Wo Licht im Möbel wirklich etwas bringt
Nicht jedes Möbelstück benötigt Beleuchtung. Am dankbarsten sind Vitrinen, denn Glasböden leiten das Licht bis an ihre Kanten weiter. Oft reicht deshalb ein einziges Profil oben im Korpus, um alle Ebenen zum Leuchten zu bringen. Für Glasböden gibt es sogar eigene Klemmprofile, in welche die Scheibe einfach eingeschoben wird. Im Bücherregal gilt die umgekehrte Richtung: Das Licht soll auf die Buchrücken fallen, nicht nach vorn in den Raum. Ein schmales Profil an der Vorderkante des Bodens, nach hinten gerichtet, leuchtet die Reihe aus, ohne dass man beim Vorbeigehen geblendet wird.
Beim Sideboard sitzt das Licht am besten unten im Sockel. Der Lichtsaum am Boden lässt das Möbel optisch schweben, ein Trick aus dem Ladenbau, der in Wohnräumen erstaunlich gut funktioniert. Offene Wandregale im Flur folgen demselben Prinzip, brauchen aber gedämpftes Licht, sonst konkurrieren sie mit der Raumbeleuchtung. Im Kleiderschrank wiederum ist Licht schlicht praktisch, am besten gekoppelt an einen Türkontakt, damit es nur brennt, solange die Tür offen steht.
Fräsen oder aufsetzen
Für den Einbau gibt es zwei Wege. Einbauprofile verschwinden bündig in einer gefrästen Nut, meist etwa zwölf Millimeter breit und einen knappen Zentimeter tief. Das Ergebnis sieht aus wie ab Werk, verlangt aber eine Oberfräse und einen sauberen Anschlag. Wer sich das nicht zutraut oder ein fertiges Möbelstück nicht anrühren will, nimmt Aufbauprofile. Die flachsten tragen keine sieben Millimeter auf und fallen unter einem Regalboden schlicht nicht auf. Für Vitrinen mit Eckverglasung gibt es Winkelprofile, die das Licht im 45-Grad-Winkel in den Innenraum richten. Bleibt die Kabelfrage: Ein Loch von vier Millimetern direkt hinter dem Profil reicht für die Zuleitung, die dann hinter der Rückwand nach unten läuft und erst am Sockel wieder auftaucht.
Schalten ohne Elektriker
Möbel hängen selten an einer eigenen Wandleitung, und genau das schreckt viele ab. Nötig ist der Aufwand nicht. Die üblichen Systeme laufen mit 24 Volt aus einem Steckernetzteil, das in die nächste freie Steckdose wandert. Geschaltet wird je nach Geschmack: über einen kleinen Funkempfänger zwischen Netzteil und Streifen, über einen Berührungsdimmer, der unsichtbar hinter der Blende sitzt, oder ganz simpel über eine schaltbare Steckdosenleiste. Für Schranktüren gibt es Kontaktschalter, wie man sie vom Kühlschrank kennt. Wer später doch alles zentral steuern will, tauscht nur den Empfänger aus, der Rest bleibt, wie er ist.
Die typischen Fehler
Der häufigste ist zu viel Helligkeit. Möbellicht ist Akzentlicht, kein Arbeitslicht. Wo über einer Küchenarbeitsplatte tausend Lumen pro Meter sinnvoll sind, reichen im Regal oft zwei- bis dreihundert. Alles darüber macht aus der Vitrine eine Kühltheke. Der zweite Fehler ist die falsche Lichtfarbe. Kaltweißes Licht lässt Eiche und Nussbaum grau wirken, zu Holz passt Warmweiß zwischen 2700 und 3000 Kelvin fast immer besser. Zu Glas und Metall darf es dagegen kühler sein.
Dann die sichtbare Einspeisung: Liegt das erste Stück Streifen samt Lötstelle im Blickfeld, ist der ganze Effekt dahin. Die Zuleitung gehört an das Ende des Profils, das von der Sitzposition aus nicht einsehbar ist. Und schließlich die Wärme. In komplett geschlossenen Fächern ohne Luftaustausch altern Streifen und Netzteil schneller. Das Profil hilft, ersetzt aber keine Lüftung. Ein paar Millimeter Spalt an der Rückwand reichen meistens schon.
Wer zum ersten Mal ein Möbelstück beleuchtet, fängt am besten mit einem einzelnen Regal oder dem Sideboard an. Der Materialeinsatz ist überschaubar, ein Nachmittag reicht, und man bekommt ein Gefühl dafür, wie viel Licht ein Raum verträgt. Hinterher zeigt sich fast immer dasselbe: Weniger Möbel beleuchten, das dafür sauber eingebaut, wirkt deutlich besser als ein Lichtsaum an jeder Kante.
